Ein Theater ist nicht nur ein Ort der Kunst, sondern auch ein Raum des respektvollen Zusammenlebens. Damit Proben, Aufführungen und der Alltag hinter den Kulissen harmonisch gelingen, braucht es klare Leitlinien. Ein Verhaltenskodex legt gemeinsame Werte fest und schafft ein Umfeld, in dem Kreativität und Professionalität wachsen können.
1. Respekt und Wertschätzung
Der Kern jedes Theaterbetriebs ist ein respektvoller Umgang miteinander.
- Akzeptanz von Vielfalt in Kultur, Herkunft, Alter, Geschlecht, Identität und Weltanschauung
- Wertschätzung der kreativen Beiträge aller Beteiligten
- Keine Toleranz für diskriminierendes Verhalten oder Machtmissbrauch
Jede Person – ob Ensemble, Crew oder Publikum – verdient Anerkennung und faire Behandlung.
2. Kommunikation auf Augenhöhe
Offene und klare Kommunikation ist essenziell für reibungslose Abläufe:
- Konstruktiver Austausch von Ideen und Kritik
- Transparente Entscheidungsprozesse
- Vermeidung von Gerüchten und destruktiver Kommunikation
- Klare und höfliche Sprache – auch in stressigen Phasen
Missverständnisse werden aktiv angesprochen, nicht ignoriert.
3. Zusammenarbeit und Teamgeist
Theater ist Teamarbeit – kein Bereich existiert für sich allein.
- Verlässlichkeit bei Absprachen, Terminen und Proben
- Unterstützung anderer Gewerke (Technik, Maske, Kostüm, Regie etc.)
- Gemeinsames Ziel: eine gelungene Produktion
- Rücksichtnahme bei künstlerischen Konflikten
Jeder Erfolg ist ein Gemeinschaftserfolg.
4. Professionalität und Pünktlichkeit
Pünktlichkeit und Vorbereitung sind unverzichtbare Grundlagen:
- rechtzeitiges Erscheinen zu Proben, Meetings und Vorstellungen
- sorgfältige Vorbereitung des eigenen Parts
- verantwortlicher Umgang mit Bühnenmaterial, Kostümen und Technik
Unzuverlässigkeit gefährdet nicht nur den Ablauf, sondern das ganze Produktionsteam.
5. Sicherheit und Gesundheit
Theaterarbeit kann körperlich und technisch anspruchsvoll sein.
- Befolgen aller Sicherheitsanweisungen (Bühne, Licht, Ton, Pyrotechnik)
- Respektvoller Umgang mit persönlicher und psychischer Belastbarkeit
- Sofortiges Melden von Unfällen oder gefährlichen Situationen
Ein sicherer Arbeitsplatz ermöglicht kreative Höchstleistungen.
6. Grenzen anerkennen
Künstlerische Prozesse können intensiv sein. Umso wichtiger ist es:
- persönliche Grenzen anderer zu akzeptieren
- körperliche Nähe nur nach Absprache zuzulassen (z. B. bei Intimitätsarbeit)
- Machtgefälle verantwortungsbewusst zu handhaben
- keine sexualisierten oder übergriffigen Handlungen zu dulden
Ein Kodex schützt besonders vulnerable Personen.
7. Umgang mit Konflikten
Konflikte werden professionell und lösungsorientiert behandelt:
- frühzeitig melden statt schweigen
- neutrale Ansprechpartner nutzen (z. B. Vertrauenspersonen oder Leitung)
- keine Sanktionen für konstruktives Feedback
Ein transparenter Umgang verhindert Eskalationen und stärkt das Vertrauen im Team.
8. Verantwortung gegenüber dem Publikum
Das Publikum soll ein sicheres, angenehmes und respektvolles Erlebnis haben:
- höflicher Umgang und klar kommunizierte Hausregeln
- Barrierefreiheit ernst nehmen
- Schutz vor diskriminierenden oder gefährdenden Situationen im Zuschauerraum
Das Theater ist für alle da.
Fazit
Ein Verhaltenskodex im Theater schafft klare Orientierung, schützt Beteiligte und stärkt das Vertrauen in den künstlerischen Prozess. Er macht das Theater zu einem Raum, in dem Sicherheit, Wertschätzung und Kreativität gleichberechtigt nebeneinander stehen. Nur so entstehen Produktionen, die künstlerisch stark und menschlich fair sind.